Ratgeber
Was ist eine virtuelle Liefermarke? Einfach erklärt
Von Tristan Göhler · Aktualisiert am 26. Juni 2026 · 6 Min. Lesezeit
Wenn ich Gastronomen zum ersten Mal erkläre, was eine virtuelle Liefermarke ist, sehe ich meistens erst Skepsis und dann ein Aha. Dabei ist das Prinzip erstaunlich simpel: Du kochst unter einem zusätzlichen Markennamen, der nur auf den Lieferplattformen existiert, aus deiner bestehenden Küche. Kein zweiter Laden, kein Schild an der Straße, nur ein weiterer Eintrag bei Lieferando, Uber Eats und Wolt.
Eine virtuelle Liefermarke, kurz erklärt
Eine virtuelle Liefermarke, auch virtuelles Restaurant oder Lieferkonzept genannt, ist ein Gastronomie-Konzept, das es ausschließlich für die Lieferung gibt. Es hat keinen Gastraum, keine Laufkundschaft und keine eigene Adresse, an der Gäste essen. Bestellt wird über die Apps, gekocht wird in einer Küche, die ohnehin schon läuft.
Ein Beispiel: Eine Pizzeria betreibt aus derselben Küche zusätzlich eine Burger-Marke. Für die Gäste im Lokal ändert sich nichts. Auf den Lieferplattformen taucht aber eine zweite, eigenständige Marke mit eigener Speisekarte, eigenen Fotos und eigener Verpackung auf, die neue Bestellungen anzieht.
Wie das in deiner Küche funktioniert
Das Entscheidende: Du baust nichts Neues auf. Die zusätzliche Marke läuft parallel zu deinem normalen Betrieb.
- Gleiche Küche, gleiches Team. Die Gerichte sind so konzipiert, dass sie sich mit deiner vorhandenen Ausstattung kochen lassen.
- Fertiges Konzept. Markenname, Speisekarte, Rezepturen, Foodfotografie und Verpackung sind bereits erprobt. Du musst keine Marke erfinden.
- Bestellungen direkt in die Küche. Die Orders kommen über die gewohnten Plattformen herein, parallel zu deinen eigenen.
Idealerweise teilt sich die neue Marke einen großen Teil deiner Zutaten mit dem bestehenden Angebot. Dann steigt mit jeder zusätzlichen Bestellung dein Umsatz, ohne dass deine Fixkosten proportional mitwachsen.
Warum es virtuelle Liefermarken überhaupt gibt
Ich habe jahrelang für große Lieferplattformen gearbeitet und dabei aus nächster Nähe gesehen, welche Restaurants im Liefergeschäft gewinnen und welche nicht. Zwei Dinge sind mir immer wieder aufgefallen.
Erstens: Auf den Apps entscheidet die Marke und ihre Positionierung darüber, wer die Bestellung bekommt. Ein Gast, der Lust auf Burger hat, sucht Burger, nicht eine italienische Trattoria, die nebenbei auch Burger anbietet. Eine fokussierte Marke gewinnt diese Bestellung.
Zweitens: Die meisten Küchen haben freie Kapazität, vor allem außerhalb der Stoßzeiten. Diese Kapazität ist totes Kapital. Eine zweite Marke füllt genau diese Lücken, ohne dass du eine zusätzliche Miete zahlst.
Die Nachfrage über die Lieferdienste ist da. Die Frage ist nur, ob deine Küche sie abgreift oder die Küche zwei Straßen weiter.
Liefermarke, Lieferkonzept, Cloud Kitchen: das Vokabular
Rund um das Thema schwirren viele Begriffe herum. Kurz sortiert:
- Liefermarke oder virtuelle Marke: der reine Markenname, unter dem auf den Plattformen verkauft wird.
- Lieferkonzept: das komplette, fertige Paket, also Marke plus Rezepturen, Verpackung und Marketing.
- Cloud Kitchen, Ghost Kitchen, Geisterküche: das Küchenmodell dahinter, also Kochen rein für die Lieferung. Ob das eine dedizierte Geisterküche oder deine bestehende Küche ist, macht einen großen Unterschied. Mehr dazu im Artikel Cloud Kitchen ohne eigene Geisterküche.
Für wen sich eine virtuelle Liefermarke lohnt
Aus meiner Erfahrung passt das Modell besonders gut, wenn:
- du eine bestehende Küche mit freier Kapazität hast,
- du in einem Gebiet mit echter Liefernachfrage sitzt,
- dein Team ein paar zusätzliche Bestellungen pro Schicht verkraftet.
Weniger sinnvoll ist es, wenn deine Küche schon zu den Stoßzeiten am Anschlag läuft, oder wenn in deinem Gebiet kaum über Lieferdienste bestellt wird. Ehrlich gerechnet entscheidet sich genau hier, ob sich der Schritt lohnt. Wie viel dabei realistisch herauskommt, habe ich im Artikel Zusatzumsatz mit Lieferdiensten: Wie viel ist realistisch? durchgerechnet.
Das Wichtigste in Kürze
Eine virtuelle Liefermarke ist ein zusätzliches, lieferfertiges Konzept aus deiner bestehenden Küche. Du nutzt freie Kapazität, greifst Nachfrage ab, die du sonst liegen lässt, und baust trotzdem keine zweite Baustelle auf. Genau dafür gibt es clouddish: fertige Lieferkonzepte, die in bestehende Restaurantküchen passen.
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